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Pflanzen in Pflanzenkläranlagen. Teil 1: Binsen

Nun sind schon manche Artikel zu Pflanzenkläranlagen von mir geschrieben worden. Was noch nicht ausreichend beleuchtet wurde: welche Pflanzen kann man in einer Pflanzenkläranlage verwenden? Welche Pflanzen haben welche Funktion? Wie werden sie am besten kombiniert? Dieser aktuelle Beitrag erörtert die Binse und deren Funktionen.

Binsen

Flatterbinse (Juncus effusus) | Foto unter CC BY SA 3.0 von Christian Fischer.

Flatterbinse (Juncus effusus) | Foto unter CC BY SA 3.0 von Christian Fischer.

Binsen (oder in englisch: bulrushes) gehören wie Schilf zu der Familie der Feuchtlandpflanzen und werden seit Mitte des 20 Jh. für die Abwasserreinigung eingesetzt und waren anfänglich die erste Wahl, wenn es um Pflanzen für eine Pflanzenkläranlage ging. Mittlerweile wird vermehrt Schilfeingesetzt,jedoch finden auch die Binsen noch ihre Berechtigung. Binsen sind durch vier besondere Eigenschaften geeignet:

  • Binsen besitzen in ihren Halmen ein Luftleitgewebe. Ihre unterirdischen und auch im Wasser eingetauchte Organe werden somit, im Gegensatz zu anderen Pflanzen, verstärkt mit Sauerstoff versorgt. Somit kann sich dort ein umfangreiches aerobes Bakterienmilieu entwickeln.
  • Binsen können sich sowohl über Samen, als auch über ein umfangreiches unterirdisches Leitgewebe vermehren. Somit können Binsene auch im Winter unterirdisch weiterwachsen und über die Rhizome große Mengen von Nährstoffen speichern, was für den Betreib einer Pflanzenkläranlage im kalten Winter bedeutsam ist.
  • Binsen vertragen längerfristige Trockenheit und sind im Gegensatz zu Schilf gegen Insektenfraß unempfindlicher, Warum? Binsen lagern vermehrt Quarz in ihren Blättern ein.
  • Alle Binsenarten können hartnäckige gefährliche Schadstoffe wie zum Beispiel Erdölabbauprodukte abbauen und Schwermetalle in ihrem Gewebe speichern. Hier und da wird behauptet, Pflanzenkläranlagen seinen machtlos, gegenüber Schwermetallen. Diese Menschen wissen scheinbar nicht, das Binsen die Lösung wären.
Blütenstand einer Blaubinse (Juncus inflexus) | Foto unter CC BY SA 3.0 von Pethan Houten.

Blütenstand einer Blaubinse (Juncus inflexus) | Foto unter CC BY SA 3.0 von Pethan Houten.

Als besonders geeignet für Klärzwecke haben sich folgende drei Binsenarten erwiesen:

  • Blaubinse (auch Blaugrüne Binse oder Graugrüne Binse genannt, Juncus inflexus) ist ein horstartiges Gras von bis zu 0,8 m Höhe und bevorzugt kalkhaltige Böden.
  • Auch die Flatterbinse (Juncus effusus) ist hostartiges Dauergras von bis zu 0,8 m Höhe, aber im Gegensatz zur Blaubinse dunkelgrün. Flatterbinse bevorzugt jedoch eher saures Bodenmilieu.
  • Teichbinse (auch Seebinse oder Flechtbinse genannt,Schoenoplectus lacustris) wächst an Teichrändern sowie in Ufernähe und wir bis zu 1,5m hoch. Sie gilt als sehr effektiv bei der Umwandlung von Abwasserinhaltsstoffen und ist somit für den Einsatz in Pflanzenkläranlagen sehr gut geeignet.

Binsen haben aber auch einen Nachteil. Im Vergleich zu Schilf hat Binsen eine geringere Nährstoffaufnahmefähigkeit gegenüber Düngerrückständen. Dieses Manko kann jedoch durch eine höhere Pflanzendichte, oder durch die Kombination verschiedener Pflanzenarten, kompensiert werden.

Teichbinse (Schoenoplectus lacustris) | Foto unter CC BY SA 3.0 von Bernd Haynold.

Teichbinse (Schoenoplectus lacustris) | Foto unter CC BY SA 3.0 von Bernd Haynold.

Neben Schilf gehören Binsen zu den gängigsten Pflanzen im Einsatz für Pflanzenkläranlagen.

Schilf als Brennmaterial | Ökologisch sinnvoll & nachhaltig?

Schilf hat – pro Kilo gerechnet – einen höheren Brennwert als Braunkohle, ist jedoch wesentlich einfacher zu gewinnen und zu verarbeiten. Riesen-Chinaschilf (Micanthus x giganteus) wird selbst von der Heizindustrie verwendet, weil es extrem energiereich ist und zur Versorgung von Pellet-Heizungen verwendet.

Woher das Schilf idealerweise kommt? Teils aus der Pflanzenkläranlage, die recht großzügig bemessen ist. Dank der reichlichen Düngung wächst das Schilf dort wie blöd, und man kann immer mal einen Arm voll abernten. Dazu kommen Bambus und Riesengräser, die auch abseits des Wassers wachsen – zum Beispiel das recht genügsame China-Schilf , welches sogar sehr attraktiv aussieht, mit seinen kleinfingerdicken Stengeln.

Idealerweise lässt man keine quadratkilometergroßen Monokulturen wachsen. Nutzt man Schilf oder Bambus als Sicht- oder Windschutz, wird sich dieser immer ausbreiten, sofern man keine Wurzelsperren verbaut hat. Um die unkontrollierte Ausbreitung zu regulieren, kann immer wieder an den Rändern des Sicht- oder Windschutzes das Schilf am Boden abschneiden. In Paraguay bietet sich auch das verwandte Kamerun an, welches auch Elefantengras oder Napiergras genannt wird (Pennisetum purpureum).

Spätestens in der Kombination mit Bambuspflanzungen und/oder Fallholz aus dem eigenen Wäldchen, ist der eigene Bedarf an Brennmaterial leicht befriedigt.

Vorteile und Nachteile einer Pflanzenkläranlage

Da ich gerade mehrere Artikel über Pflanzenkläranlagen schreibe und bemüht bin, die einzelnen Beiträge nicht ausufern zu lassen und die Übersichtlichkeit zu bewahren, hier nun ein Beitrag über die Vorteile und Nachteile einer Pflanzenkläranlage. Was sofort ins Auge fällt: die Vorteile sind immens und vielseitig – Nachteile eigentlich nicht vorhanden, sofern man entsprechend Platz zur Verfügung hat.

Vorteile einer Pflanzenkläranlage

Pflanzenkläranlagen sind im Vergleich zu herkömmlichen Kläranlagen relativ einfach zu errichten. Besitzt man alle benötigten Bestandteile, ist ein Eigenbau möglich. Ob dies von rechtlicher Seite problemlos möglich ist, sollte zuvor geprüft werden – darauf kann ich hier nicht eingehen, da meine Leser in vielen verschiedenen Ländern beheimatet sind. Das Bau an sich, ist jedoch leicht und problemlos zu tätigen, sofern man nicht zwei linke Hände hat.

Pflanzenkläranlagen lassen sich – den benötigten Platz vorrausgestzt – sehr kostengünstig realisieren und auch betreiben. Elektrischer Strom für eine Fäkalientauchpumpe wird nur dann benötigt, sofern kein natürliches Gefälle genutzt werden kann.

Pflanzenkläranlagen bringen auch bei unregelmäßigem Abwasseranfall, wie bei Wochenendhäusern oder Gastronomiebetrieben üblich, eine konstant gute Reinigungsleistung.

Pflanzenkläranlagen haben keinen hohen Wartungsbedarf. Pumpen und Rohrventile – sofern welche verbaut sein sollten – sollten monatlich überprüft werden. Ein Absetzbecken kann leicht so dimensioniert werden, das ein jährliches Entleeren genügt. Ebenso sollte das Wasserverteilungssystem regelmäßig geprüft werden. Hat sich die Konstruktion als praxistauglich erwiesen, kann auch dies jährlich geschehen. Wer sein Schilfbeet nicht eh regelmäßig beschneidet, um zum Beispiel Schilf als Brennmaterial zu gewinnen, der könnte es jährlich mähen. Im kalten bzw. verschneiten Mitteleuropa macht dies im Herbst auch Sinn, um die Sauerstoffzufur der Rhizomen und Wurzeln zu gewährleisten – auch wenn es nur teilweise geschieht. Der Wartungsbedarf ist in jedem Fall geringer, als bei konventionellen SBR- oder WSB-Anlagen

Das gereinigte Wasser kann fürverschiedene Zwecke wiederverwendet werden. Ob als Gießwasser für Garten- oder Landwirtschaft, als Wasser für eine Toilettenspülung. Wer seine Pflanzenkläranlage richtig konstruiert und das Wasser eventuell auch wieder belebt, kann es für jeden Zweck wieder gebrauchen – die Qualität des gereinigten Wassers sollte jedoch zuvor getestet werden. In diesem Falle ist Kontrolle wirklich besser als Vertrauen.

Als letzten Punkt, können Pflanzenkläranlagen das Erscheinugsbild und den Artenreichtum einer Umgebung verbessern, unseren ökologischen Fußabruck minimieren und Zufriedenheit geben, noch ein weiteres Stück autonom und ökologisch sinnvoll zu handeln.

Nachteile einer Pflanzenkläranlage

Der einzig bekannte Nachteil einer Pflanzenkläranlage besteht im relativ hohen Platzbedarf von etwas fünf Quadratmetern pro Einwohner – zumindest in den herkömmlichen Bauweisen.

Sollte man den Bau einer Fachfirma anvertrauen ohne Eigenleistung zu entrichten, sind Pflanzenkläranlagen in der Bauphase geringfügig teurer als herkömmlich Lösungen. Diese eventuellen Mehrkoststen amortisieren sich jedoch sehr schnell, durch die meist nicht vorhandenen Betriebskosten.